Provenienzforschung im Goslarer Museum: Lücken, Verkäufe von 1973/74 und offene Fragen

Vorgang 2026/196-01 – Stand der Provenienzforschung

Die Stadt hat die Akten aufgeschlagen, die Ordner geprüft und uns mitgeteilt, dass das größte Rätsel nicht unbedingt fehlende Objekte, sondern fehlende Papiere sind. In der Mitteilung 2026/196-01 zur Provenienzforschung des Goslarer Museums zeigt sich: Die Verwaltung hat Erstchecks mit dem Landschaftsverband Südniedersachsen durchführen lassen – das Ergebnis ist namentlich kein Drama, wohl aber ein Mahnmal für Sorgfalt. Die Koloniale-Kontexte-Untersuchung ist abgeschlossen, viele Objekte verließen das Museum bereits 1973/74 Richtung Mannheim und Heidelberg, und für NS-Raubgut konnten bislang keine konkreten Belege im heutigen Bestand gefunden werden.

Kurz ernsthaft: Die Mitteilung ist eine Bestandsaufnahme. Belegbar ist, dass die Erstchecks abgeschlossen sind, das Dokumentationsniveau lückenhaft ist und das Projekt ‚Koloniale Kontexte – Erst-Check Afrika‘ ohne Mittelabruf in Goslar beendet wurde. Die Verwaltung empfiehlt, Nachfahren zu kontaktieren, um mögliche Restitutionsforderungen anzustoßen. Offene Fragen betreffen insbesondere einzelne ethnografische Provenienzen, den Verbleib historischer Übersee-Sammlungen und die Form der weiteren Vorgehensweise.

Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das: Transparenz über Bestände und ein klarer Prozess bei Restitutionsfragen sind erforderlich. Die Ratssitzung am 30.06.2026 behandelt die Mitteilung. Die politische Aufgabe ist, aus der Bestandsaufnahme konkrete Schritte zur Klärung unklarer Eigentumsverhältnisse und zur Nachfahrenansprache zu machen, statt die Dokumentationslücken als Endpunkt zu akzeptieren.

Vorgangsnummer: 2026/196-01 | Original bei ALLRIS