Zur Diskussion um Straßennamen

Hinlänglich bekannt ist die immer wieder aufflammende Diskussion über Straßen, die nach Menschen benannt wurden, bei denen es aufgrund ihrer Aussagen und Handlungen aus heutiger Sicht mehr als fraglich erscheint, dieser Unsympathen, Rassisten, Kriegstreiber, Kolonialisten, Misongynisten, Antisemiten und anderer Menschenfeinde noch gedenken zu wollen.

Zu Recht Anlass für Diskussionen: Überall unsympathische, alte, weiße Männer.
Zu Recht Anlass für Diskussionen: Überall unsympathische, alte, weiße Männer.

Und auch im Landkreis Wolfenbüttel gibt es noch Straßen, die nach prominenten Unsympathen wie z.B. Martin Luther (Antisemit), dem Rassisten, Nationalisten und Antisemiten Ernst-Moritz Arndt und dem misogynen Sexisten, Nationalisten, Rassisten und Antisemiten Hermann Löns benannt wurden. Oft wird als Rechtfertigung ins Feld geführt, besagte Personen würden ja nicht für ihre menschenverachtenden Aussagen geehrt, sondern für andere Leistungen. Schließlich sei auch niemand ausschließlich z.B. Rassist oder Antisemit.

Folgte man dieser „Logik“, könnte aber auch z.B. der Neue Weg seinen während des 3. Reiches erhaltenen Namen bis heute behalten haben, denn schließlich ließ der Namensgeber ja auch die Autobahnen bauen. Das Beispiel zeigt die Löchrigkeit dieser Argumentation. Eins scheint bei der Diskussion klar: den meisten Menschen und vor allem den Entscheidungsträger:innen scheint es egal zu sein, was für bedenkliche Namen die Straßenschilder Wolfenbüttels verunstalten. Den meisten Menschen, aber nicht allen.

Bereits im Mai bildete sich daher im Kreisverband Wolfenbüttel der Partei Die PARTEI eine mehrköpfige Kommission, um das Ausmaß dieses Problems lokal zu erforschen. Es wurden dabei alle im Landkreis Wolfenbüttel vergebenen Straßennamen auf Bezüge zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geprüft. Dabei fiel neben den bereits geschilderten Beispielen eine mindestens ebenso interessante und beschämende Tatsache auf:

„Im Landkreis Wolfenbüttel gibt es über 200 Straßennamen, die nach Männern benannt wurden oder männliche Namen abbilden. Und in dieser Zählung sind noch nicht mal diejenigen Straßen enthalten, die rein männliche Berufsbezeichnungen abbilden, dann wären es noch etliche Schilder mehr, die die Existenz von Frauen im öffentlichen Raum ausblenden!“, so B. Kiehne-Weinreich, Schatzmeisterin des Kreisverbandes Wolfenbüttel. Diesen über 200 männlichen Straßennamen stehen laut Kiehne-Weinreich nur knapp über zehn weibliche Straßennamen gegenüber. „Das gleiche Problem erkannte, vielleicht von unserer Studie inspiriert, die Grüne Katrin Göring-Eckardt kürzlich auch für die Stadt Jena. Wir freuen uns hier auf weitere Zusammenarbeit und liefern gern auch weiterhin Ideen.“, so L. Kiehne, 1. Vorsitzender des Kreisverbandes.

Die PARTEI fordert die Entscheidungsträger:innen in den Gemeinden daher auf, diese Diskriminierung abzustellen und umgehend mehr Straßen nach Frauen zu benennen, oder die Zahl der Männernamen zu reduzieren. „Wir bitten aber auch gleichzeitig darum, bei der Auswahl der Frauennamen nicht wieder in alte Muster zu verfallen und auf die Top 10 der unsympathischsten Möglichkeiten zurückzugreifen. In einer Erika-Steinbach-Allee, einer Alice-Weidel-Straße oder am Martha-Goebbels-Platz möchte ja nun wirklich niemand wohnen.“, so G. Zeißig, 2. Vorsitzende des Kreisverbandes.

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