Mauerlyrik

In dieser neuen Kolumne kommentiert unser Kolumnist Hendrik Bammel alle vier Wochen die aktuelle Weltgeschichte, und zwar in einer besonderen Form der lyrischen Äußerung. Wenn Sie einen besonderen Wunsch oder eine Anregung haben, schreiben Sie auf Twitter an @hendrikb4mmel.


Das zentrale Thema dieser Ausgabe ist der Chulzzug, der am Anfang noch bremsenlos durch die Nacht fuhr, mittlerweile aber doch zunehmende Schwierigkeiten kommt, weshalb man sich die Frage stellt: „Quo vadis, Chulzzug?“.

 

Was rast so schnell durch Nacht und Wind?
Es ist der Chulzzug, der aus den Gleisen springt!
Ganz ohne Bremsen war man stolz zu sagen,
Man könne eine neue Regierung wagen.

Doch wo man war am triumphieren,
Begann man auch sich zu blamieren,
Denn die Aussagen, die man nun schätzte,
Sind das Gegenteil von dem, was man einst selbst durchsetzte.

Und wie schon einst Macchiavelli sagte,
Sind Tote etwas, was man nicht lang beklagte.
Doch nimmst du ihnen Sozialsystem und Geld,
Dann schürt sich Hass in dieser Welt.

Der Trick schien gut zu sein, dachte man sich,
Doch gingen die Wähler nicht auf den Strich.
Stattdessen wurde schnell beklagt,
Dass man Inhaltsleeres wagt.
Das ist für mich das Problem,
Stört den Durchschnittswähler aber unangenehm.

So will man auf diesen Berg nun kommen,
Und ist vor Euphorie noch ganz benommen.
Da bremst der Berg den Zug nun aus,
Und ohne Bremsen nimmt das Ganze seinen Lauf:
In Holstein ist der Wert gesunken,
Noch weiter als Stegners Mundwinkel sind unten.
Und NRW zeigt sich nun wirklich kraftlos,
Kippt einfach um, wie ein Kartenhaus beim Windstoß.

Nun Fängt die Rückfahrt langsam an,
Früher als erwartet, pünktlicher als die Deutsche Bahn.
Der Grund dafür, man glaubt es kaum,
War der Sozen feuchter Traum:
Denn als man die Entscheidung machte
„Keine Bremsen!“
Und über den konservativen Aufschrei lachte,
Da rauscht man nun zurück ins Tal,
Ohne Bremsen allemal,
So wird dann auch zugleich bewusst:
Der Chulz-Effekt, er ist verpufft!
Zu früh verpulvert ist der Kandidat,
der als große Hoffnung einstmals auftrat.

Da sitzt man wieder und fragt sich nun,
Wo endet das? Was sollen wir tun?
Die Antwort darauf weiß ich nicht,
Doch kommt ein Ratschlag auch in Sicht,
Eventuell jemand in den Kampf zu schicken,
Dessen Glaubwürdigkeit,
aufgrund früherer Aussagen,
nicht droht einzuknicken.

Ich schließe so für diesen Fall,
Bleibt am Ende nur der Knall:
Ein Knall am Anfang,
Ein Knall am Ende,
So rollt der Chulzzug immer weiter,
In eine Zukunft nicht zwingend heiter.


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