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Mittwoch, 19. Juni 2019

„Öffentliche Bidets in Wolfenbüttel?“

So ist die Befürchtung vieler Bürger*innen. Und wir wären nicht Die PARTEI Wolfenbüttel, wenn wir die Sorgen und Ängste der Menschen nicht ernst nehmen würden. Daher haben wir einer lokalen Zeitung per E-Mail-Interview zur Kontroverse Refill vs. Trinkbrunnen geantwortet. Weil natürlich naturgemäß nicht alles von einem Interview abgedruckt werden kann, wollen wir unseren Wähler*innen an dieser Stelle die Möglichkeit geben, die ganze Antwort (und nichts als die Antwort) zu lesen. Gern geschehen!

„Sehr geehrte Frau […],

vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihr damit verbundenes Interesse am Projekt Refill. Bevor ich jedoch auf Ihre Fragen antworte, möchte ich kurz noch ein paar erläuternde Worte vorwegschicken.

Wir als Kreisverband der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI) haben es uns wirklich nicht ausgesucht, auf dem Feld der Realpolitik so ausufernd tätig zu sein, wie es in der jüngeren Vergangenheit der Fall war. Leider sehen wir uns angesichts der zunehmend realsatirischen Tendenzen anderer Parteien jedoch gezwungen, unsere Kernkompetenzen zu erweitern und nun den Bürger*innen zur Abwechslung auch mal sinnvolle „einfache Lösungen“ anzubieten. Für dumme „einfache Lösungen“ bleiben wie gehabt andere zuständig. Unsere Aktivitäten auf diesem Gebiet sollen aber auch ein Zeichen für die vielen enttäuschten Nichtwähler*innen sein, die bisher noch davon ausgehen, eine Kleinpartei, die noch nicht im Stadtrat vertreten ist, könne nichts bewirken. Die richtig guten Ideen heben wir uns aber natürlich für unsere Zeit im Stadtrat auf 😉

Aber nun zu Ihren Fragen:

Bislang haben wir mit 15 Geschäften in der Wolfenbütteler Innenstadt Gespräche geführt, darunter sind Gastronomiebetriebe, ein Fahrradgeschäft, Apotheken, eine Buchhandlung, ein Telekommunikationsunternehmen, sowie Geschäfte aus den Bereichen Optik, Reform, Naturkost, Kosmetik, Nahrung und Genussmittel. Als erstes Geschäft hat sich die Gaststätte zur Mühle einen Aufkleber gesichert, kurz darauf erklärte sich Barrique bereit, zusätzlich als Abholstation für unsere Bügelverschluss-Flaschen zu fungieren. Bürger*innen können sich hier kostenlos von uns gespendete Trinkflaschen abholen, die sie in teilnehmenden Geschäften im Bedarfsfall ausfüllen lassen können. Darüber hinaus hängen bereits Aufkleber an der Kornblume und bei Le Bosphore, in den kommen Tagen werden voraussichtlich Buchhandlung Steuber, die Herzog-Apotheke und Pizzeria Tomato folgen.

Die Frage nach dem Vorteil für die Händler*innen ist aus mehreren Perspektiven zu betrachten. Sicherlich hat es auch einen gewissen Werbeeffekt, wenn sich herumspricht, dass in einem bestimmten Geschäft in der heißen Jahreszeit Trinkwasser zur Verfügung steht. Viel wichtiger finden wir jedoch, dass die Beteiligten gar nicht nach ihrem persönlichen Vorteil gefragt haben, sondern es als selbstverständlich angesehen haben, durstigen Menschen etwas zu trinken zu geben. Wir finden, dass das ein schönes und wichtiges Zeichen ist, in Zeiten, in denen wir an anderer Stelle die einen zu „unserem Vorteil“ verdursten und die anderen aus dem gleichen Grund ertrinken lassen. Die Offenheit der Geschäfte für diese Idee hat uns gefreut. Alle reden immer davon, die Welt werde immer egoistischer: wir haben viele Menschen getroffen, die dem etwas entgegensetzen.

Auf das Projekt sind wir aufmerksam geworden, als wir bei einem unserer Stammtische über aktuelle lokale Themen diskutierten. Eins unserer Mitglieder hatte vom Refill-Projekt gehört und stellte es den anderen Mitgliedern im KV vor, das war die Geburtsstunde der Idee, Refill auch in Wolfenbüttel bekannt zu machen.

Die Aufkleber können direkt über die Seite www.refill-deutschland.de heruntergeladen und ausgedruckt werden, man kann sie dort aber auch kaufen. Einige Exemplare haben wir noch hier und so ist es auch möglich, uns eine Mail zu schreiben (siehe https://die-partei.net/wolfenbuettel/impressum/), dann bringen wir interessierten Geschäften gerne ein Exemplar kostenlos vorbei. Geschäfte, die sich an der Aktion beteiligen möchten, können sich auf der Refill-Homepage auch in eine Karte eintragen lassen, um ihre Teilnahme noch über den Aufkleber hinaus zu signalisieren, das ist aber eine „Kann“-Option. Wir haben den von uns angesprochenen Geschäften bereits per Mail angeboten, hier bei Bedarf zu unterstützen. Eines sollte aber klar sein: Refill ist und bleibt ein eindeutig parteiunabhängiges Projekt, das in keinerlei Verbindung zu uns steht. Die Aktion ist keine Werbung für uns, sondern ausschließlich für das Refill-Projekt. Das ist uns sehr wichtig.

Der Gedanke hinter Refill ist: Als Refill Station verpflichten sich Menschen dazu, andere Menschen unabhängig von Geschlecht, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung gleich zu behandeln. Aus diesem Grund möchten wir einfach das Projekt bekannter machen, da es ein Zeichen gegen jegliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit setzt, was für uns ein unverrückbarer Grundpfeiler unserer gesamten Arbeit ist.

Darüber hinaus bietet das System Refill aber auch andere Vorteile: Die geplanten Trinkwasserbrunnen in der Innenstadt sind zwar durchaus eine nette Idee und würden bestimmt auch toll aussehen, nur ist unsere Lösung eben schlichtweg einfacher, effektiver und sinnvoller. Von der Apotheke bis zur Kneipe machen viele verschiedene Geschäfte mit, was die gesamte Zeitspanne abdeckt, in der Menschen in der Innenstadt anzutreffen sind. Jemand hat nun in dieser Zeitspanne Durst, geht in ein Geschäft und fragt höflich nach Wasser. Ein ohnehin existierender Hahn wird aufgedreht, sehr gutes und permanent kontrolliertes Trinkwasser fließt in eine ohnehin vorhandene Flasche und das Problem ist auf einer ganz simplen und menschlichen Ebene gelöst. Ohne, dass dafür besonders ansehnlicher Stein kilometerweit durch die Welt gefahren und bearbeitet werden muss und dann weitere Arbeit für die Installation anfällt. Ganz zu schweigen von der anschließenden Instandhaltung und Hygienekontrolle. Diese ganze Arbeit können wir uns sparen, indem einfach sehr gutes Trinkwasser aus einem bereits existierenden Hahn in eine existierende Flasche gefüllt wird. Fertig. Wie viele und vor allem grundlegendere Vorteile sollte es noch geben müssen?

Zumindest könnte Wolfenbüttel dieses System vielleicht für einen oder zwei Sommer testen und dann evaluieren, bevor die andere Idee weiterverfolgt wird. Und auf diese ein oder zwei Sommer kommt es angesichts der bisherigen Planung ja nun wirklich nicht an.“