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Samstag, 4. August 2012

Grußwort des GV (Großen Vorsitzenden) des Ortsverbandes

Liebe Bürgerin, lieber Bürger

„Berlin ist eine superhässliche stinkende Drecksstadt, in der nur Psychos und Asoziale wohnen aber irgendwie halt trotzdem geil. Ich persönlich bin jedenfalls total happy hier.“ – So oder so ähnlich soll das mal irgendjemand gesagt haben, bzw. steht es in großen Lettern an der Bar in der neuen Gentrifizierungskneipe um die Ecke, hier in unserem Kiez, ja ich scheue mich nicht zu sagen: meinem Neukölln.

Doch Neukölln ist weit mehr als nur ein weiterer Bezirk, wo junge Leute am Samstag Nachmittag einen Karottenkuchen essen gehen und über ihre Zeit in der Antifa reden. Neukölln ist auch: knallhartes Miteinander, entartete Vielfalt, gelebte Dialektik. Insofern dient der Bezirk als Schmelztiegel, Vorbild und Versuchslabor für die gesamte Bundesrepublik: Führt Parallelgesellschaft zwangsläufig zur Diametralgewohnheit? Wieviel Alltagsrassismus ist gerade noch so okay? Fragen, welche die Matusseks und Döpfners der Republik zur Verzweiflung treiben mögen, hier in Neukölln jedoch tagtäglich zu individuellen, nicht selten pfiffigen und eigenwilligen Antworten finden, ohne dass irgendjemand sich ernsthaft darum kümmert.

Wenn ich Dienstag früh gegen 14 Uhr eine in Kopftücher gehüllte alte Dame den Gemüsehändler ohrfeigen sehe, denke ich bei mir: irgendwie auch schön, diese fremde Kultur, die dürfen von mir aus gerne noch etwas länger hier wohnen bleiben. „Etwas länger“ meint in diesem Fall freilich: so lange sie wollen bzw. sich die stetig steigende Miete noch leisten können. Steigende Mieten übrigens, die uns alle angehen, denn wir müssen sie alle bezahlen. Wie so oft sind hier die schwächsten Glieder der Gesellschaft am stärksten betroffen.

Wo Trödel- wie Dönerhändler ihre Verkaufspreise flexibel dem Mietspiegel anpassen können, um ihre Existenz zu sichern (das Nähere regelt der zuständige Motorradclub), sitzt der junge Akademiker-Slash-Medienfuzzi bald rat- und brotlos auf dem selbstverlegten Laminat, und muss – sollte das geile Jobangebot aus München noch länger auf sich warten lassen – bald zusehen, wie seine Chefs und Agenten den Kiez übernehmen, den er und seinesgleichen in harter Pionierarbeit schickgewohnt haben.

Hier ist die Politik gefragt, sieht Die PARTEI sich in der Pflicht. Der bewährte Schlachtruf „Mieten rauf – Hartz IV runter!“ ist für die PARTEI Neukölln nicht einfach nur eine hohle Phrase, sondern auch ein echt catchy Claim mit edgy Alleinstellungsmerkmalen und klar positionierten Produktversprechen, vor allem aber ist er auch eigentlich nicht wirklich so gemeint, sondern halt: Politik. Und mit Politik kennen wir uns aus. Besser als das Merkel, besser als der vollepilierte Kuschelbär Wowereit oder der alte Fettsack Buschkowsky und insbesondere besser als Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, wie ich mit dem vorliegenden Text ja wohl mal wieder einwandfrei bewiesen habe.

Seien Sie versichert: In Neukölln ist alles in Ordnung, wir haben die Sache im Griff! Für konstruktive Kritik und dumme Fragen sind wir dabei immer offen. Für politgeile Newcomer mit Erfahrung in Laufburschenschaft übrigens auch. Sprechen Sie uns an!